Auf ein Wort: Die Magie der Töne

Erst wenn die Luftmoleküle in Reih und Glied schwingen, ergibt sich ein Ton. Jedes Luftmolekül addiert die Schwingungen von natürlichen oder durch Instrumente erzeugten Frequenzen zu einem wilden Tanz – ein komplexer Vorgang. Diesen Tanz zu erfassen ist noch komplexer – die ungeheure Leistung unseres Gehörsinns – ein Wunder. Am Anfang steht ein vergleichsweise ärmlich ausgestattetes Organ, unser Ohr. Mit 5000 Haarsinnzellen verwandelt es den Schall in elektrische Impulse. Über das Trommelfell werden winzige Luftdruckschwankungen registriert, über die winzigen, federleichten Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel verstärkt und auf die Membran des Innenohrs übertragen. Das schneckenförmige Organ vollbringt die erstaunliche Leistung, den eintreffenden Schall in einzelne Frequenzen wieder aufzuspalten und bis auf das Zehntel eines Halbtons zu unterscheiden. Von nun an rasen nur noch Nervenimpulse durch unser Hirn. Materielles geht in Fühlbares, in Hörbares, in Messbares, in nur-noch gerade Erahntes, in Jenseitiges, Spirituelles und Unendliches über – ein Übergang , der das Faszinosum Musik ausmacht. Auf ein Wort: Musik – eine Sprache die wir alle verstehen, die in 3 Minuten Erinnerungen von 3 Jahren weckt, die das ausdrückt, wo Worte fehlen, Stenografie unserer Gefühle, potenzierte Poesie, ein unvergänglicher Seelenretter, das beste Labsal eines betrübten Menschen, das unser Leben erträglich macht: Musik an, Welt aus. Für Yehudi Menuhin vielleicht die eigentliche Muttersprache des Menschen, für den Komponisten Karlheinz Stockhausen gar eine Verbindung zu Gott. Musik ist ein großartiges, wundervolles Geschenk Gottes an seine Menschen, das er uns aus seiner Ewigkeit für die Reise durch unser Leben anvertraut hat. Musik, Gesang und Lobpreis wollen unsere Begleiter sein, die uns immer neu wieder daran erinnern – in Zeiten der Freude und des Lachens, aber auch in Zeiten der Dunkelheit und der Tränen –, dass wir auf der Reise durch unser irdisches Leben unterwegs und noch nicht zuhause sind. Musik kann die Sehnsucht nach Himmel in unserer Seele, nach jenem Zuhause in uns wecken, für das wir geschaffen worden sind, und sie kann die Hoffnung und die Vorfreude in uns nähren, dass wir nach unserer Reise durch die Zeit für immer nach Hause kommen werden. Wie wäre es also, wieder einmal diese alte Magie auszupacken, seine Stimme zu erheben, das Klavier neu zu stimmen, in Messias Händel auf Konserve oder live einzutauchen, beim Lagerfeuergesang mit zu schmettern, mit den frühen Vögeln zu quinkelieren, in einem Chor oder Band gemeinsam Luftmoleküle zum Tanzen zu bringen – das Geschenk auszupacken, das jeder von uns mitbekommen hat – Musik.

-Stefan Harrer-

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